Das neue Verbraucherrecht in der Abowerbepraxis

Uwe Henning beantwortet drei Fragen von Markus Schöberl – Interview erschienen im VDZ-Newsletter Best Selling 02/14 vom 02.06.2014

Welche Bedeutung hat das neue Verbraucherrecht für die Praxis der Abowerbung? Wie stellen sich Verlage am besten darauf ein? Drei Fragen, drei Antworten.

Hier zum Interview:




Der vollständige Text:

DAS NEUE VERBRAUCHERRECHT IN DER ABOWERBEPRAXIS

Welche Bedeutung hat das neue Verbraucherrecht für die Praxis der Abowerbung? Wie stellen sich Verlage am besten darauf ein? Best Selling hat dazu den Direktmarketingexperten und Verlagsberater Uwe Henning befragt, der über viele Jahre das Direktmarketing bei Gruner+Jahr und die Abo-Vertriebstochter DPV Direct geleitet hat.

"Wie bedeutend sind die Veränderungen im Verbraucherrecht für die Abowerbung?"
"Die Auswirkung des neuen Verbraucherrechts auf die Abo-Produktion wird sich – bei richtigem Vorgehen – im Rahmen halten. Kein Vergleich zur Einführung des Opt-Ins im Telefonmarketing vor einigen Jahren. Es kommt aber sehr viel Arbeit auf die Direktmarketingabteilungen zu. Man muss an alle Werbemittel rangehen, an die Online-Shops und an sämtliche Begrüßungs-Mails und -Briefe. Da haben alle eine Menge zu tun."

"Aber müssen jetzt nicht auf alle Werbemittel endlose Texte gedruckt werden?"
"Nein, das sehe ich nicht. Das Gesetz sieht ja Ausnahmen vor, wenn nur wenig Platz vorhanden ist. Eine Lösung für die Heftwerbung könnte sein, an einer bestimmten Stelle im Heft – zum Beispiel beim Impressum – die vorvertraglichen Verbraucherinformationen abzudrucken und in den übrigen Werbemitteln, also Anzeigenseiten oder Blow-In-Cards, dann nur auf diese Stelle im Heft zu verweisen. Eine große Herausforderung wird das aber im Telefonmarketing. Es kann ja nicht sein, dass Werbetelefonate mit einer Floskel beginnen wie die Verhöre der Tatort-Kommissare. Aber irgendwo im Telefonat wird man zumindest die verkürzte Formulierung der Verbraucherinformationen unterbringen müssen. Da muss man sich in der Praxis heran tasten.  Im Online-Bereich wird es wohl auf das sogenannte "Scrollbar-Verfahren" hinaus laufen. Also eine Textbox, bei der jeder gleich nach unten scrollt und dann bestätigt, dass er den Text gelesen hat. Insgesamt denke ich, dass die neue Rechtslage die Online-Werbung am wenigsten verändern wird, die gedruckte Werbung schon mehr, und am gravierendsten ist es für das Telefonmarketing."

"Gibt es denn auch positive Aspekte aus Sicht der Verlage?"
"Ja, die sehe ich schon. Und zwar auch im Bereich der Telefonie. Widerrufe können ja nun auch telefonisch erfolgen. Das ist doch eine Chance, die Abonnenten dazu zu animieren, diesen Weg zu wählen. Gerade im Kundendialog lässt sich mit gut geschultem Personal einiges bewegen. Die Stichworte sind hier: Opt-In-Einholung, Angebot Ersatztitel, Bankeinzug. Außerdem haben wir nun ein EU-weit einheitliches Recht. Das heißt nach den Anpassungen werden auch die österreichischen Abonnenten verbraucherrechtlich korrekt bedient. Und schließlich glaube ich, dass die Transparenz, die durch die neuen Regeln verbindlich wird, langfristig zu einer Verbesserung für das Image von Aboangeboten führen kann."

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